Rind Rundbrief 01-2022
Liebe Kundinnen und Kunden,
wie Sie wahrscheinlich schon vernommen haben, wird uns Herr Dr. Schernthaner zum 31. März 2022 verlassen. Mit ihm geht eine Ära zu Ende, da er die Rinderabteilung der Tierklinik in den vielen Jahren seiner Tätigkeit stark geprägt hat. Wir werden einen sehr kompetenten Kollegen und Chef vermissen und wünsche ihm viel Erfolg für den Neustart in seiner Heimat. Die Tierklinik wird selbstverständlich weiterhin das ganze Spektrum der Tiermedizin abdecken und Sie und Ihre Tiere wie gewohnt gut versorgen.
Wir wünschen Ihnen allen ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr!
Neues aus der Klinik
Wir begrüßen Viktoria Kieninger, die uns seit 1. Dezember 2021 in unserem Tierärzteteam unterstützt.
Hygiene beim Tränken von Kälbern
Eine gute Kälberaufzucht und damit verbunden, gesunde und frohwüchsige Kälber, beginnt mit einem optimalen Kolostrummanagement gefolgt von einem guten Tränkemanagement. Dabei ist nicht nur der richtige Zeitpunkt der Kolostrumgabe und die ausreichende Menge und Qualität der Biestmilch wichtig, sondern auch die Hygiene der Melkkannen, Tränkeeimer, Nuckel und allen anderen Gegenständen mit denen die Milch auf dem Weg zum Kalb in Kontakt kommt. Ein hygienisch einwandfreies Kolostrum ist wichtig, da Keime die Aufnahme von Biestmilch im Darm verhindern können. Die Tränkehygiene ist natürlich nicht nur für Kolostrum wichtig, sondern auch für die weitere Kälbermilch. Kritische Kontrollpunkte, die immer wieder durch erhöhte Keimbelastung bzw. Keimeintrag auffallen sind:
- Behälter, in denen die Milch bis zum Tränken zwischengelagert wird
- Behälter, in denen die Milch zum Kalb transportiert wird (Milchtaxi, Eimer, etc.)
- Behälter, in die die Milch abgefüllt bzw. in denen sie angerührt wird inkl. Nuckel
- Gegenstände mit denen die Milch aufgerührt wird (Schneebesen etc.).
Reinigen Sie Transportbehälter, Tränkeeimer und Nuckel regelmäßig, vor allem der Nuckel ist häufig stark keimbelastet.

Anzustreben sind Keimgehalte von 100 000 KbE/ml im zu vertränkenden Kolostrum (McGuirk et al., 2004). Wenn möglich sollte jedes Kalb einen eigenen Tränkeeimer zugewiesen bekommen. Falls nicht jedes Kalb seinen eigenen Eimer hat sollte bei den jüngsten Kälbern mit dem Tränken angefangen werden und die älteren erst danach getränkt werden. Somit vermeidet man eine Keimverschleppung von alt zu jung.
Eine Studie von Mergenthaler et al. (2017) ergab, dass die Tageszunahmen von Kälbern innerhalb der ersten Lebensmonate bei Vertränken von verunreinigtem Kolostrum signifikant erniedrigt waren. Der Aufwand für eine Reinigung aller Tränkeutensilien spiegelt sich dementsprechend in den Tageszunahmen, aber auch in der Gesundheit der Kälber wider.
Die Versorgung und Haltung der Kälber in den ersten 40 Lebenstagen ist sehr wichtig, da in dieser Zeit die Zellvermehrung stattfindet und anschließend nur noch eine Zellvergrößerung. Tiere haben im Erwachsenenalter zwar das gleiche Endgewicht, aber einen unterschiedlichen Zellgehalt. Ein höherer Zellgehalt ist wichtig, da die Tiere dadurch eine höhere Stoffwechselkompetenz haben. Eine Unterversorgung von Nähr-, Mineralstoffen und Spurenelementen in den ersten Lebenswochen, z.B. durch Erkrankung in Folge von Hygienemängel, kann später nicht mehr korrigiert werden. Die Leistungsfähigkeit einer Milchkuh wird also in den ersten 40 Lebenstagen festgelegt.
