Rind Rundbrief 01-2021
Liebe Kundinnen und Kunden,
nachdem das Jahr 2020 schon ein turbulentes war stellt uns alle auch 2021, nicht nur coronabedingt, vor weitere Herausforderungen.
Im Januar diesen Jahres haben wir die Praxis von Herrn Dr. Akrae übernommen. Dieser hat altersbedingt nach einem Nachfolger gesucht und uns kontaktiert, nachdem sich die Suche als etwas schwierig gestaltet hat (s. Strukturwandel in der Tiermedizin). Wir heißen unsere neuen Landwirte herzlich willkommen und freuen uns auf eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit!
Im April diesen Jahres wird ein neues Tiergesundheitsgesetz in Kraft treten, das u.a. Maßnahmen zur Biosicherheit, aber auch eine verpflichtende Bestandsbetreuung fordert. Genaue Ausführungshinweise gibt es jedoch noch nicht, wir werden Sie aber auf dem Laufenden halten und diese im nächsten Rundbrief veröffentlichen.
Neues aus der Klinik
Wir begrüßen Thomas Schweihofer, der uns seit 1. Dezember 2020 in unserem Tierärzteteam verstärkt. Und wir begrüßen Nina Dachs, die uns ab 1. April 2021 als Tierärztin unterstützen wird.
Strukturwandel in der Tiermedizin
Nicht nur in der Landwirtschaft findet seit Jahren ein Strukturwandel statt, sondern auch in der Tierärzteschaft. Sie werden bemerkt haben, dass häufig kleine Praxen keine Nachfolger finden, ähnlich wie in der Landwirtschaft, und altersbedingt aufhören. Weiterhin ist der Nachwuchs in der Tiermedizin bzw. dessen Interesse für Nutztiere immer geringer, sodass mittlerweile das bayerische Umweltministerium sich Gedanken über die Gewährleistung der flächendeckenden tierärztlichen Versorgung auf dem Land macht. Es wurden Vorschläge wie die Einführungen von Landtierarztquoten oder auch von Niederlassungsprämien für den ländlichen Raum gemacht, um Tierärzte in die Nutztierpraxis zu bringen.
Für uns bedeutet dies, dass die Organisation immer wichtiger wird, um Sie und Ihren Bestand bestmöglich zu versorgen und auch bei Notfällen zeitnah zur Stelle zu sein. Deshalb ist es für uns umso wichtiger, dass Sie Besuche rechtzeitig anmelden. Nur so kann ein schneller und für alle Seiten zufriedenstellender Arbeitsalltag stattfinden. Vielen Dank für Ihre Mitarbeit!
Geföhnte Kälber trinken besser
Kälberwärmeboxen – davon haben Sie wahrscheinlich schon gehört, manch ein Landwirt war selbst erfinderisch und hat sich eine Wärmebox für neugeborene Kälber selbst gebaut. Die Boxen können über den Agrarfachhandel (z.B: Wahl) bezogen werden und bieten neugeborenen Kälbern bis zum Abtrocknen eine optimale Wärmeversorgung.
Ist das notwendig?
Kälber, wie alle Säugetiere und der Mensch, haben zwei Strategien, um die Körperinnentemperatur zu halten: Durch Zittern, also Muskelkontraktion, erzeugt der Körper Wärme. Dies ist sehr effektiv, kostet aber auch sehr viel Energie, also keine langfristige Methode, um Wärme zu erzeugen. Eine weitere Strategie, die Säugetiere haben, ist schon von Geburt an bei Neugeborenen angelegt und zwar das braune Fettgewebe: Durch Verstoffwechselung dieses speziellen Fettgewebes kann das neugeborene Kalb die Körpertemperatur für mehrere Stunden, im Notfall auch für die ersten Lebenstage, aufrecht halten.
Eine Doktorarbeit der TiHo Hannover (Jürgensen et al. 2016) hat untersucht, ob und in wieweit eine externe Wärmezufuhr im Winter sich auf die Entwicklung von neugeborenen Kälbern auswirkt. Neugeborene Kälber wurden zwischen Dezember und April in zwei Gruppen zufällig aufgeteilt. Die Kälber der Versuchsgruppe verblieben 30 Minuten nach der Geburt bei der Mutterkuh und wurden dann in ein beheizbares (28-34°C) Kälberiglu verbracht. Die Kälber der Kontrollgruppe wurden 30 Minuten nach der Geburt von der Mutter getrennt und in Einzeliglus mit Stroheinstreu bei Aussentemperatur aufgestallt. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass eine schnelle Abtrocknung von Kälbern sich positiv auf deren Vitalität auswirkte und diese Kälber in den ersten Lebensstunden eine höhere Kolostrumaufnahme hatten als die Kälber der Kontrollgruppe. Die Wissenschaftler empfehlen deshalb, vor allem in der kalten Jahreszeit neugeborene Kälber bis zum vollständigen Abtrocknen warm zu halten.
Blauzungenimpfung
Deutschland wird dieses Jahr vor der EU-Kommission den Status „seuchenfrei“ bezüglich der Blauzungenkrankheit beantragen. Ein genaues Datum ist noch nicht bekannt, da sich die Veterinärämter diesbezüglich absprechen müssen. Sobald dieses Datum feststeht werden wir es auf unserer Homepage veröffentlichen. Mit dem Status „blauzungenfrei“ könnte der Handel von Rindern, Schafen und Ziegen in Deutschland wieder ungehindert stattfinden. Für den Export ins Ausland wird aber voraussichtlich weiterhin die Grundimmunisierung des Muttertieres und die Biestmilchgabe verlangt. Es kann jederzeit wieder zu neuen BT-positiven Tieren kommen, vor allem in der wärmeren Jahreszeit, wenn Gnitzen, die das Virus übertragen, vermehrt unterwegs sind. Sollte dies der Fall sein und Sie haben nicht weiter geimpft, bedeutet dies, dass Ihr Bestand wieder grundimmunisiert werden muss (2 Impfungen im Abstand von 4 Wochen), um Kälber weiterhin problemlos vermarkten zu können.
