Rind Rundbrief 01-2020
Liebe Kundinnen und Kunden,
dies ist die erste Ausgabe unseres Klinikrundbriefes der halbjährlich erscheinen wird und Ihnen regelmäßig Informationsmaterial zur Verfügung stellt. Wir werden Sie über Neuerungen an der Klinik bzw. Änderungen im Praxisablauf, wichtige Termine, Fortbildungen für Sie, gesetzliche Änderungen und saisonal relevante Themen auf dem Laufenden halten.
Viel Freude beim Schmökern!
Neues aus der Klinik
Wir begrüßen Dr. med. vet. Juraj Lucić, der seit 1. April 2020 uns am Standort Bayerdilling unterstützt.
Verarbeitung der Besamungen per App
Das LFL verlangt von uns die lückenlose Dokumentation und Nachvollziehbarkeit der einzelnen Samenportionen inkl. Chargennummern, ansonsten können wir rechtlich belangt werden. Deshalb werden nun seit Juli von uns alle Besamungen per App verarbeitet. Die gelben Besamungszettel werden also nur noch in Ausnahmefällen benötigt. Falls Sie bisher noch nicht zur digitalen Besamungsregistrierung zugestimmt haben bitten wir Sie, uns die dafür notwendige Datenschutzerklärung unterschrieben zukommen zu lassen. Bei Fragen können Sie auch gerne einen unserer Tierärzte/-innen ansprechen.
Fliegenkontrolle im Stall
Sommerzeit ist Fliegenzeit! Sobald die Temperaturen steigen beginnen die Fliegen sich zu entwickeln. Stallfliegen sind nicht nur lästig für Mensch und Tier, sondern können auch verschiedene Krankheitserreger übertragen. Es werden zwischen stechenden und nichtstechenden Fliegen unterschieden, wobei stechende Fliegen mehrere Male pro Tag an Tieren saugen und so Krankheitserreger wie das Schmallenberg-, aber auch das Blauzungenvirus übertragen können. Nichtstechende Fliegen befördern größere Mengen an Erregern, die häufig Mastitiden oder Entzündungen der Horn- und Bindehaut des Auges auslösen können und verbreiten diese im Stall. Zudem sorgen Fliegen für Unruhe im Bestand, was zu reduzierter Futteraufnahme, Abtreten der Melkzeuge, Beeinträchtigung des Wohlbefindens der Tiere und Leistungsabfall führen kann.
Was tun?
Die wichtigste Maßnahme ist die Stallhygiene: Brutstellen sind überall dort, wo es warm und feucht ist und wo Nahrung für die Larven vorhanden ist. Beliebte Plätze sind z.B. in Kälberboxen, Futterresten, Tiefstreuflächen, Schwimmdecken auf der Gülle und in Güllekanälen, auf und unter Spaltenböden, in Kotansammlungen unter den Tränkebecken, unter Futterautomaten, etc..
Maßnahmen sind das regelmäßige Entfernen von Futter- und Milchresten, sorgfältiges Ausmisten, Belüften und Rühren der Gülle, sowie das Belüften und Umlagern des Festmistes. Außerdem ist auf ein gutes Stallklima zu achten!
Larvenbekämpfung zur Unterbrechung des Entwicklungszyklus: Dies kann durch gezielten Einsatz von Nützlingen oder einer chemischen Behandlung mit einem Larvizid geschehen. Bei Festmistsystemen werden als natürliche Feinde der Stubenfliege Schlupfwespen und bei Güllesysteme Güllefliegen eingesetzt.
Bekämpfung der erwachsenen Fliegen: Anbringen von Fliegengitter, UV-Lichtfallen (nicht im Tierbereich), Klebefallen, Klebebänder, Fliegenfangbeutel mit Pheromonen, etc.. Im Fachhandel sind weiterhin chemische Insektizide erhältlich, wobei diese keine nachhaltige wirksame Maßnahme sind und es zu Resistenzbildung kommen kann.
Und was ist mit den Stechmücken?
Stechmücken wie z.B. Gnitzen sind aus tiergesundheitlicher Sicht äußerst wichtig zu bekämpfen, nicht nur im Stall, sondern auch am Tier selbst. In den letzten Jahren haben wir bei uns im Praxisgebiet immer häufiger Schmallenbergvirus in den Beständen nachgewiesen. Das Virus führt bei tragenden Rindern zum Umrindern, zu Aborten, Früh- oder Totgeburten und zur Geburt von lebens-schwachen und zum Teil missgebildeten Kälbern. Um das Risiko einer Infektion zu vermindern sollten Tiere durch bestimmte Pour-on-Präparate wie z.B. Butox vor den Gnitzen geschützt werden. Die Wirkung hält ungefähr 4 Wochen an und behält auch seine Wirksamkeit bei Regen (Weidehaltung). Eine weitere Möglichkeit, vor allem für Weidetiere, ist die Verwendung von Ohrclipsen wie z.B. Auriplak, wobei deren Wirkung gegen Gnitze im Vergleich zu Weidefliegen deutlich kürzer ist und nur ca. 2 Wochen beträgt.
Fitte Kälber durch optimale Spurenelementversorgung
Eine optimale Versorgung der Kälber mit Kolostrum, sowie gute Haltungs-bedingungen sind für einen guten Start in das Leben jedes Kalbes essenziell. Trotz dieser Maßnahmen können Kälber erkranken und in ihrer Entwicklung gestört werden. Untersuchungen der FH Soest und anderen Universitäten haben gezeigt, dass ein möglicher Grund dafür Eisenmangel sein kann. Eisen ist für die Vitalität von Kälbern enorm wichtig, da es ein zentrales Element in der Immun-abwehr und wichtig für die Hämoglobinbildung und somit die Sauerstoffversorgung ist. Bei Eisenmangel wird daher die Blutbildung und Antikörperproduktion gestört. Dies kann die Krankheitsanfälligkeit steigern und zu verringerten Tageszunahmen führen.
Zwei Drittel aller Kälber zeigten einen leichten bzw. schweren Eisenmangel in der Studie der FH Soest, obwohl alle Kälber rechtzeitig mit Kolostrum versorgt wurden Weiterhin zeigte diese Untersuchung, dass Kälber meist mit einer Blutarmut, einer Anämie, auf die Welt kommen.
Das Kolostrum und die nachfolgende Vollmilch haben häufig einen zu geringen Eisengehalt, um das Kalb optimal zu versorgen. Der tägliche Eisenbedarf eines Kalbes liegt bei 50mg pro kg TM Eisen, Kuhmilch enthält rund 4mg/kg TM und MAT muss mindestens 30mg Eisen pro Kilogramm Pulver enthalten. In der oben genannten Untersuchung der FH Soest bekam eine Versuchsgruppe Kolostrum und eine weitere zusätzlich zum Kolostrum eine Eisengabe. In der Kälbergruppe mit der zusätzlichen Eisengabe kam es zu deutlich höheren Tageszunahmen, >250 Gramm/Tag mehr als in der Vergleichsgruppe, und nur ein Drittel so viele Kälber erkrankten. Daraus wird gefolgert, dass durch die Zugabe von Eisen zum Kolostrum kostengünstig die Entwicklung der Kälber gesteigert werden kann.
Die ersten 40 Lebenstage entscheiden
Die Versorgung und Haltung der Kälber in den ersten 40 Lebenstagen ist sehr wichtig, da in dieser Zeit die Zellvermehrung stattfindet und anschließend nur noch eine Zellvergrößerung. Tiere haben im Erwachsenenalter zwar das gleiche Endgewicht, aber einen unterschiedlichen Zellgehalt. Ein höherer Zellgehalt ist wichtig, da die Tiere dadurch eine höhere Stoffwechselkompetenz haben. Eine Unterversorgung von Nähr-, Mineralstoffen und Spurenelementen in den ersten Lebenswochen kann später nicht mehr korrigiert werden. Die Leistungsfähigkeit einer Milchkuh wird also in den ersten 40 Lebenstagen festgelegt.
Grippeimpfung
Bitte denken Sie an die Grippeimpfung Ihrer Kälber: Damit die Kälber einen belastbaren Impfschutz erhalten müssen sie zweimalig im Abstand von vier Wochen geimpft werden. Um nicht ungeschützt in die Hochphase der Grippesaison zu gelangen sollten Sie die Kälber im Herbst impfen lassen.
Ausblick: Fortbildung „Digitalisierung rund ums Rind“
Für dieses Jahr war eine Fortbildung zum Thema „Digitalisierung rund ums Rind“ geplant. Doch durch die Corona-Pandemie konnte diese leider nicht stattfinden. Wir werden die Fortbildung im nächsten Jahr so bald als möglich nachholen und Sie rechtzeitig darüber informieren.
