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Parodontitis beim Pferd

Parodontitis ist eine Erkrankung des Zahnhalteapparates, auch Parodontium genannt. Das Parodontium setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: dem Alveolarknochen, der das Zahnfach bildet, dem Zement, der die äußere Schicht des Zahnes darstellt, der Gingiva, also dem Zahnfleisch, und dem Ligamentum periodontale, das aus Kollagenfaserbündeln und einem Venengeflecht besteht. Letzteres spielt eine Schlüsselrolle bei der Verankerung und Aufhängung des Zahnes im Zahnfach. Es fängt Zugkräfte, Druckkräfte und Lateralkompressionen – Kräfte, die beim Kauen entstehen – ab und wandelt diese teilweise um. Leidet das Pferd unter Parodontitis, greifen Entzündungen dieses komplexe Geflecht des Zahnhalteapparats an und können es zerstören. Der Zahn verliert dann seinen Halt.

Bei heutigen Pferden bilden die Backenzähne physiologischerweise einen einheitlichen Kaublock mit lückenlosem Zusammenhalt. Dies wird durch die Rostralwinkelung der Längsachse des letzten Backenzahnes (Winkelung nach vorne) und die Kaudalwinkelung (Winkelung nach hinten) des ersten Backenzahnes ermöglicht. Trotz dieser optimalen anatomischen Gegebenheiten ist die Parodontitis keine seltene Erkrankung; sie tritt bei etwa 60 % der über 15-jährigen Pferde auf.

Die Entzündung des Zahnhalteapparates entsteht häufig durch Futtereinspießungen in Zahnzwischenräumen. Wenn das eingespießte Futter nicht entweichen kann, funktioniert der physiologische Reinigungsmechanismus nicht mehr. Gärungs- und Fäulnisprozesse können eine Entzündungskaskade auslösen. Diese Prozesse bilden die Grundlage für eine Entzündung des Parodontiums und zur Bildung von Parodontaltaschen, in denen sich noch mehr Futter ansammeln kann – ein Teufelskreis.

Im Verlauf dieser Erkrankung können Gewebsnekrosen auftreten und es kommt zur Gingivaretraktion – einem Rückgang des Zahnfleisches –, wodurch sich die Parodontitis zwischen den Zähnen immer weiter in die Tiefe frisst. Fortschreitende Parodontitis kann zu Zahnlockerungen, sowie Wurzel- und Knocheninfektionen mit Knochenauflösung (Osteolyse) führen. Zudem kann es im Oberkiefer zu einem Alveolardurchbruch kommen, mit folgender Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis).

Ursachen und Symptome von Parodontitis

Parodontitis ist eine weit verbreitete Erkrankung bei Pferden, die durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden kann. Zu den häufigsten Ursachen zählen Zahnfehlstellungen, Missbildungen sowie nicht begradigte Rampen, Wellen oder Stufen in der Zahnreihe. Auch der Parallelstand der Backenzähne kann zur Entstehung von Parodontitis beitragen. Das fortschreitende Alter des Pferdes, Stoffwechselerkrankungen oder der Zahnwechsel bei jungen Tieren sind weitere Risikofaktoren. Besonders ausgeprägte Querkämme (=ETR’s) können ebenfalls zu Problemen führen.

Es gibt verschiedene Formen von Diastemata, die zur Parodontitis führen können. Ein Ventildiastema ist okklusal (= zur Kaufläche hin) verschlossen und gingival (= zum Zahnfleisch hin) erweitert, was dazu führt, dass Futter dort eingeklemmt wird. Im Gegensatz dazu ist ein offenes Diastema okklusal offen und gingival näherstehend, wodurch das Futter besser zirkulieren kann. Überlappende Diastemata entstehen durch unregelmäßige oder schräg stehende Zahnzwischenräume aufgrund von Fehlstellungen oder Missbildungen. Diese Probleme können auch Schneidezähne betreffen, wobei die Therapie aufgrund der Lage in der Regel einfacher ist.

Die klinischen Symptome einer Parodontitis sind vielfältig und umfassen einen schlechten Ernährungszustand sowie Kauprobleme. Obwohl das Futter oft noch normal aufgenommen werden kann, gestaltet sich das Kauen schwierig. Viele Pferde zeigen Wickelkauen oder haben Maulgeruch (=Halitosis). Zudem können sich Futteransammlungen in den Backen bilden, knöcherne Schwellungen auftreten und Verhaltensänderungen beobachtet werden. Häufig kommt es auch zu vermehrtem Speicheln (=Salivation) sowie einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber kaltem Wasser im Kontakt mit den Zähnen.

Diagnostik und Therapiemöglichkeiten bei Parodontitis beim Pferd

Parodontitis ist eine ernsthafte Erkrankung, die nicht nur das Wohlbefinden des Pferdes beeinträchtigt, sondern auch zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen kann. Eine exakte Diagnose und adäquate Therapie ist daher unerlässlich, um die Lebensqualität des Tieres zu verbessern und weitere Komplikationen zu vermeiden.

Die Diagnostik erfordert eine gründliche Untersuchung der Maulhöhle, die unter Sedierung durchgeführt wird. Hierbei kommen ein Maulgatter, sowie ein Spiegel oder Endoskop zum Einsatz, um eine detaillierte Sicht auf die Zähne zu erhalten. Nach der Reinigung der Diastemata erfolgt eine umfassende Beurteilung, bei der die Mobilität der Zähne, das Ausmaß der Sondierbarkeit der Taschen, Entzündungsanzeichen und die Gingivaretraktion berücksichtigt werden. Gegebenenfalls können Röntgenbilder oder ein CT weitere Aufschlüsse über das Ausmaß der Erkrankung, die Therapiemöglichkeiten und den Verlauf geben.

Die Graduierung der Parodontitis erfolgt anhand verschiedener Systeme, wobei je nach Schwerpunkt unterschiedliche Aspekte wie Gingivitis, Gingivaretraktion, Knochenverlust und Zahnmobilität in die Bewertung einfließen. Diese systematische Herangehensweise ermöglicht es, den Schweregrad der Erkrankung präzise zu erfassen und geeignete therapeutische Maßnahmen abzuleiten.

Grundvoraussetzung für die Therapie: Gebissanpassung

Die Basis jeder Therapie stellt eine adäquate Gebissanpassung bei der Zahnbehandlung dar, um das Entstehen und Voranschreiten der Diastemata zu verhindern. Bei geringgradiger Parodontitis ohne klinische Symptome kann diese Maßnahme bereits ausreichend sein, um das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen.

Therapieziele

Das Hauptziel der Therapie besteht darin, die Zirkulation von Futterpartikeln in den Zahnzwischenräumen des Pferdes zu gewährleisten, damit das Zahnfleisch zur Abheilung kommen kann. Hierbei werden primär die Zahnzwischenräume von Futterresten und Zahnstein befreit, um Mikroorganismen und pathogene Keime zu dezimieren.

Invasive Therapiemöglichkeiten
Bei schwereren Graden der Parodontitis sind invasivere Maßnahmen (wie im Folgenden beschrieben) erforderlich:

  • Auffräsen von Diastemata
    Diese Methode wird eingesetzt, um Diastemata zu erweitern und somit eine bessere Zirkulation des Futters zu ermöglichen. Besonders bei Ventildiastemata ist dies von Bedeutung.
  • Überbrückung/Füllung von Interdentalspalten
    Ziel ist es, den positiven Effekt der Reinigung längerfristig zu erhalten und einen Heilungsimpuls zu setzen. Dies kann bei offenen Diastemata durchgeführt werden; bei Ventildiastemata erfolgt dies erst nach dem Auffräsen. Diese Methode kommt insbesondere bei sehr tiefen Parodontaltaschen und deutlicher Gingivaretraktion zum Einsatz.
  • Extraktion erkrankter Zähne
    Dies stellt die letzte Maßnahme dar, wenn die Zähne aufgrund der Parodontitis so geschädigt sind, dass sie infiziert und nur noch mäßig vital sind.

Pflegeintensive Erkrankung

Parodontitis beim Pferd ist eine pflegeintensive Erkrankung, die besondere Aufmerksamkeit erfordert. Besonders zu Beginn der Therapie sind häufige Kontrollen und gegebenenfalls zusätzliche Behandlungen notwendig. In den ersten Monaten kann es erforderlich sein, diese Kontrollen im Abstand von etwa drei Monaten durchzuführen. Sobald sich eine Besserung zeigt, können
die Zeitabstände zwischen den Kontrollen auf größere Intervalle erweitert werden. Eine auf den Patienten individuell abgestimmte Therapie ist entscheidend, um eine Extraktion des betroffenen Zahnes gegebenenfalls zu verhindern.

Während der Therapie und je nach Schweregrad der Erkrankung sind Schmerzmittel notwendig, um das Wohlbefinden des Pferdes zu unterstützen. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, nach der Behandlung Heucobs anzubieten, um die Genesung des Pferdes zu fördern und die Nahrungsaufnahme zu erleichtern.

Sollten Sie Fragen haben oder weist Ihr Pferd Symptome dieser Erkrankung auf, können Sie sich gerne vertrauensvoll telefonisch oder per Whatsapp für eine Beratung oder einen Zahnkontrolltermin bei unserer Terminvergabe melden. Diese hilft Ihnen jederzeit gerne weiter.

Kontakt
Zentrale der Zahnstation +49 8238 9618 27
SMS | WhatsApp-Nachricht an +49 (0) 151 112 308 84


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